Ich bins leid.
fliegendefetzen

Guten Morgen Zusammen,

ganz ehrlich: Ich bins leid. Man hat bei mir Endo mit 19 entdeckt. Davor war natürlich die übliche (einjährige) Odyssee der Ärzte, Notarztwägen, Krankenhäusern und blablablas. Mittlerweile bin ich 27 und habe zwei Star-Wars-Räumungen hinter mir. Man hat außerdem festgestellt, das mein Darm sehr gerne auf die veränderungen der Gebärmutter reagiert. Was dann, wie soll es auch anders sein, automatisch zu Darmkoliken führt. Die kommen meist dann, wenn die OP 2 - 3 Jahre in der Vergangenheit liegt. Die letzte war Ende 2002. Und seit Freitag habe ich wieder superheftigst Darmwehwehchen, die ich schon lange nicht mehr in dieser Form hatte... Ganz nebenbei wirds wieder etwas komplizierter, oder eher gesagt: schmerzhafter, mit den zwischenmenschlichen, meist nächtlichen beziehungen.

es ist zum kotzen.

und ja. natürlich. geh unters messer und schwupps ist alles wieder in ordnung. nur... wie lange? selbstverständlich werde ich, sofern diese schmerzen sich verabschiedet haben, die ganze sache etwas positiver sehen. und diese op ist nun in der tat nichts besonderes. aber momentan habe ich diese ganze geschichte sowas von dermassen satt. ehrlich.

die erste op eröffnet dir die begrifflichkeit (endlich!) deiner leiden - die, wie so viele andere vorab behauptet haben, gar nicht existieren.

die zweite op erzählt dir was von herde, die jetzt weg sind, der blutsee ist vertrocknet. aber wir können dir nicht versprechen, ob wir uns jemals NICHT mehr sehen.

und jetzt kommt die dritte. allmählich bildet sich bei meinen bauchnabel eine sonne voller strahlender narbengebilde.

auch das ist mir egal.

und ja... sämtliche medikamente sind mir auch bekannt, morphium wurde gerne verabreicht. mein lieblingsmedikamente sind buscopan plus (leider nur noch bedingt zu benutzen, alldieweil die nieren sich irgendwann melden.. da muss man dann halt situativ abwiegen) und ... erstaunlicherweise lefax.

die schönsten monate waren die künstlichen wechseljahre. und es gibt nichts blöderes als ein mitleidiger arzt, der diese wunderbare bemerkung bringt: Ich würde ja gerne ne total op machen - aber du bist noch zu jung. das kann ich nicht verantworten.

was ich damit ausdrücken möchte, ist folgendes:
Ich bin 27 Jahre alt. Wenn ich Glück habe, bin ich den Mist mit 40 los, wenn nicht... dauert es halt etwas mehr. In 8 Jahren wurde ich zweimal, bald dreimal operiert. stellen wir eine mathematische gleichung auf... dann wird meine krankenkasse in finanzielle schwierigkeiten kommen und meine ärzte stinkreich. quasi op's auf abo.

und? wird es dadurch besser?

es wird alles verschoben, zeitweise aufgehoben. aber sonst? nada.

deswegen bin ich es leid.

immer der gleiche kreis. die steigerung der schmerzen. die op. abflachung der schmerzen. kurzer stillstand mit leichten schmerzen. und dann wieder ein ständig steigender schmerz bis zum no no.

die einzige möglichkeit ist total op. fott damit. was ist aber wenn mich der ruf der natur umhaut? und nix mehr da ist?

inshallah.

ich bins leid.

Schönen Tach noch.
fliegende fetzen

[%sig%]



Re: Ich bins leid.
xxx

klasse du sprichst ein richtig aus der seele.



Re: Ich bins leid.
dani

Hi,

ich plane meine OPs einmal im Jahr ein wie ein Sommerurlaub. Ich brauch auch nicht in die Sonne zu fahren, weil ich regelmässig innere und aufsteigende Hitze habe. Außerdem bin ich ständig auf Kosten der Krankenkasse high. Was will man mehr?



Re: Ich bins leid.
***

Wenn du glaubst du schlägst rekorde mit deinen ops....hahahabin auch 27 und habe nur meine 6. op hinter mir und immer verdammt große und nein dies nicht in 8 jahren grade mal in 2 vielen dank aber es gint leute denen geht es schlechter und die halten sich zurück.



Re: Ich bins leid.
Alexandra

Hi,

mein persönlicher OP-Rekord liegt bei drei grossen per Bauchschnitt durchgeführten Endooperationen in 1,5 Jahren. Einmal wurde mir sogar von der Krankenkasse eine, sonst nur VIP´s vorbehaltene, Sonderfahrt per Blaulicht im Notarztwagen, incl. absoluter Vorfahrt etc. bezahlt :-) Weitere von der Krankenkasse bezahlten Vorteile hat Dani schon oben erwähnt. Jeder Drogenabhängige muss dafür klauen, anschaffen gehen, usw. ... - wir erhalten es auf Rezept !

Meine Leberwerte sind von den Schmerzmedikamenten und Narkosen schon so hoch, dass jeder Alkoholiker vor Neid blass wird :-) - Ich bekomme es von der Krankenkasse . . .

Das und noch viel mehr (z.B. Unterkunft und Verpflegung, Rund um Betreuung im Krankenhaus, ...) bekommen wir (momentan noch) bezahlt.

Ausserdem wird meine Beziehung nie wegen Langeweile zerbrechen. Sorge immer für Action :-)

Also - es lebe die Endo !!!!!!!!!!!!!!!!!



Re: Ich bins leid.
fliegendefetzen

Mahlzeit.

Sollte an diesem kleinen persönlichen hass-pamphlet etwas überhebliches, gar arrogantes sein, so habe ich es wohl nicht deutlich genug ausformuliert.

es ging nicht darum, wer die ober-endorianerin ist.

es ging mir persönlich darum, das es einen mal leid sein kann. das man die schnauze voll hat. und das, so dachte ich, besonders endogenossinnen verstehen, warum diese emotionale situation auftaucht.

denn momentan sieht es nicht so aus, das mein innerer kreis überhaupt versteht, warum es ich es leid bin, wieder ins krankenhaus zu müssen.

mach fott - und dann is jot.
genau.
aber darum geht es nicht.
es geht darum, das etwas in dir dich zu dinge zwingt.
und das nervt mich.
besonders an solchen tagen, wo der schmerz sehr präsent ist.

das war alles.

kein vergleich.
kein schauspiel.

nur leid sein.

schönen tach noch
fliegende fetzen

p.s. dani: das mit dem sommerurlaub muss ich mir merken. ägypten ist zu dieser jahreszeit eh zu heiß. :)

p.p.s. alexandra: einen traumhaften partner hast du da wohl :):



Re: Ich bins leid.
Alexandra

Hi fliegende fetzen,

ich wollte Dir damit nur sagen, dass wir Endopatientinnen alle viele Operationen, körperliche uns seelische Schmerzen, usw. haben. Durch´s rumjammern löst sich kein Problem.

Ich habe mir nach zig Operationen, bei welchen nur rumgeschnippelt wurde einen Spezialisten gesucht. Seit meiner Operation bei diesem Spezialisten geht es mir super!!!

Nebenbei möchte ich noch anmerken, dass mein Mann super zu mir hält!! Als ich nach langer Unwissenheit über meine Beschwerden "endlich" die Diagnose Endometriose erhalten habe, hat er sich, wie auch meine Familie, die Fachbücher zum Thema durchgelesen. Seither kennt mein innerer Kreis (wie Du es nennst) die Krankheit sehr genau und hat super viel Verständnis für mich aufgebracht bzw. bringt sie auf. Action in unsere Beziehung bringen, d.h. immer im Krankenhaus zu liegen, am Abend total high von den Schmerzmedikamenten zu sein, etc.! Mein Mann wusste nie wie er mich am Abend vorfindet, wenn er vom Arbeiten nach Hause kommt.



Re: Ich bins leid.
Andrea

Hallo fliegende Fetzen,

ja ich kann dich gut verstehen, dennoch hat man bei deiner Schreibweise das Gefühl, dass du im Selbstmitleid zerfließt. Daher kann ich verstehen, dass hier manche denken du möchtest dich hier "messen". Die Endo hat nicht nur dich fest im Griff und es gibt viele denen es genauso oder noch schlechter geht. Auch ich habe meine dritte OP hinter mir und das innerhalb eines Jahres....

Vielleicht bekämst du mehr positive Rückmeldungen wenn du dich etwas zurückhalten würdest.

Andrea



Re: Ich bins leid.
caro

Hallo fliegende Fetzen,

ich kann gut vertehen daß Du es leid bist, war auch schon ein paarmal an dem Punkt, insbesondere da ich auch noch einen starken Kinderwunsch habe und neben Endo schon 4 x IVF hinter mir habe.
Gib nicht auf und versuche doch mal einen anderen Weg.
Einen anderen Arzt, Alternativmedizin etc.

Ich habe gerade eine heftige Endo-OP mit Entfernung eines Stück Darm und Gebärmutter hinter mir und habe endlich das Gefühl dass da mal jemand am Werk war des auch wirklich etwas davon versteht.
Kann zwar nicht beschwören dass es anhält aber seit März bin ich schmerzfrei.
Nebenbei mache ich Behandlung beim Heilpraktiker (Bioresonanz) und Bindegewebsmassage. Ausserdem mache ich Untersuchungen bei Immunspezialisten.
Ich habe meine Wohnung von eine Baubiologen untersuchen lassen.
Auch die Endokur in Bad Salzuflen nach meiner OP hat sehr gut getan.
Außerdem verwende ich nur noch Naturkosmetik und versuche mich gesund zu ernähren.

Kostet viel Kraft aber ich gebe nicht auf.

l.G.

Caro



Re: Ich bins leid.
Alex

Hallo fliegendefetzen,

ich kann dich sehr gut verstehen und denke nicht, dass du dich bemidleidest oder dich messen möchtest! Ich denke du bist einfach sauer, dass wieder eine OP bevor steht und das alles kein Ende zu nehmen scheint : ( Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es irgendwann mal einem einfach leid wird! Ich habe erst vor einem Jahr von meiner Krankheit erfahren und mache mir Sorgen, dass es mich mein halbes Leben lang begleiten und beschäftigen wird : ( Sowas ist doch echt schrecklich!
Während meiner Harmonbehandlung war ich auch super sauer, einfach weil es mir schlecht ging und das alles nur dieser Krankheit zu verdanken war. Ich habe mich desöfteren fragen müssen, warum hab ich sowas??? In meinem Bekantenkreis kennt das Niemand und auch ich hab davon vorher nie was gehört!

Und ich denke, dass gerade wir alle Mitleidenden, uns am Besten unterstützen und ermutigen können!!!
Und das sollten wir auch alle tun, denn nicht jeder von uns bekommt so viel Verständnis und Rücksicht, wie Alexandera!

Liebe Grüße
Alex



Re: Ich bins leid.
Jen

Hallo fliegende Fetzen!

Jeder Satz von Dir könnte aus meinem Munde kommen!
Letzte Woche war ich mal wieder beim Arzt und er hat mir mal wieder ne Op vorgeschlagen- ich kam nach Hause und habe meinen Bauchnabel angekuckt und ich habe so dermaßen die Schn.... voll...Ich will nicht mehr- und ich kann nicht mehr-diese Schmerzen,ständig Pille wechseln- Angst vor der nächsten Menstruation...und op´s, Hormonbehandlungen-und für was??????
Also danke für deine Worte!!! (Wir sind nicht allein!)

Liebe Grüsse
Jen