Medikament Remicade gegen Endometriose
Heikem

Hallo,

das Medikament Remicade hat bereits seit wenigen Jahren die deutsche Marktzulassung und wird fast hauptsächlich gegen Autoimmunkrankheiten wie Rheuma etc. eingesetzt.

Das dieser Wirkstoff ein TNF-alpha-Blocker ist, halte ich es für gerechtfertigt und heilversuchsfähig,  es auch Patientinnen mit einer schweren rezividiven Form der Endometriose als "off-lable-use" zu verschreiben.

Da ihr ja alle wißt, hat Endometriose eine starke entzündliche Komponente, die durch Hemmung des zentralen Entzündungsintermediat zurückgedrängt werden könnte.

Ich würde Frauen mit Endometriose Stufe 4 empfehlen, daß bei den Endometriose-Experten einzufordern. Soweit ich weiß, gibt es (noch?) keine Studien dazu, aber ein Arzt darf ein zugelassenes Medikament auch für andere ihm sinnvoll erscheinenden Anwendungsgebiete auf Rezept verordnen.

Ich hatte bereits gestern Dr. Sillem im Fragenarchiv darauf angeschrieben, er hat es tatsächlich fertig gebracht meine Frage ohne jegliche Antwort von ihm zurück ins Fragenarchiv zu stellen. Zwei Wochen zuvor hatte ich noch andere Experten angeschrieben, ebenfalls ohne jegliche Rückmeldung.

Ich habe den Eindruck, daß ich mit meiner Idee ins Schwarze getroffen habe.

Grüße,

Heike 



den off-label-use bekommt
burnout

den off-label-use bekommt man bei Endo nicht durch, denn dafür müssen 3 Kriterien erfüllt werden.

Es muss sich

  1. um die Behandlung einer schwerwiegenden Erkrankung handeln, für die
  2. keine andere Therapie verfügbar ist und
  3. auf Grund der Datenlage die begründete Aussicht auf einen Behandlungserfolg besteht.

Es MÜSSEN ALLE 3 Kriterien erfüllt werden.

zu 1: trifft zu

zu 2: trifft nicht zu, es gibt jede Menge andere Therapiemöglichkeiten

zu 3: das Medikament ist nicht wissenschaftlich belegt für Endo, will heißen es sind noch nicht die vorgeschriebenen Testreihen gemacht worden.



intressant, aber die Punkte
Heikem

intressant, aber die Punkte 2 und 3 treffen sehr wohl zu, denn es gibt eigentlich keine Behandlungsmöglichkeit und durch die Zurückdrängung der Entzündungskomponente ist sehr wohl eine Besserung zu erwarten. Und es ist ja genau der Punkt bei off-lable, daß eben noch keine Studien gemacht wurden.



bei Punkt 2 gilt nur, ob es
burnout

bei Punkt 2 gilt nur, ob es überhaupt Therapiemöglichkeiten gibt, ob die bei dem einzelnen dann hilft oder nicht, ist für die Beurteilung egal.

was Punkt 3 angeht, schreibst du selbst, dass es noch keine Studien zu diesem Medikament und Endo gibt. also trifft Punkt 3 auch nicht zu. erst wenn es eine vorgeschriebene Anzahl von Studien gibt, die beweisen, dass dieses Medikament hilft bei Endo, kann der Punkt 3 als erfüllt betrachtet werden.



du kannst es ja gerne mal
burnout

du kannst es ja gerne mal probieren es zu beantragen bei Krankenkasse zur Erstattung. das wird eh erfolglos sein... Hier eine kleine Info dazu.

Bei gesetzlich Versicherten ist dagegen ein "Off-Label-Use" grundsätzlich ausgeschlossen. Das Bundessozialgericht hat gewichtige Aspekte der Arzneimittelsicherheit betont und enge Grenzen für eine ausnahmsweise mögliche Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) vorgesehen. Nur bei schwerwiegenden, vor allem lebensbedrohlichen Erkrankungen kann nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts in sozialgerichtlichen Eilentscheidungen zugunsten des Patienten ein "Off-Label-Use" im Einzelfall gestattet werden.



aber außer ständigen
Heikem

aber außer ständigen Operationen mit Verwachsungsfolgen gibt es keine anerkannte Therapie, auch die Pille gilt hier als off-lable.

Studien wurden aber im Bereich Rheuma ua. gemacht, und es ist nachgewiesen, daß TNF-alpha blockiert wird. Dieser Botenstoff spielt auch bei anderen entzündlichen Krankheiten die entscheidende Rolle.  



sicherlich kann man sich
burnout

sicherlich kann man sich alles mögliche verschreiben lassen, was man meint das einem hilft. klar spricht man da vom off-label-use.

aber du bekommst es nicht bezahlt, sondern darfst es selbst bezahlen. die Krankenkasse zahlt das nicht, weil es den Kriterien des off-label-use nicht entspricht nach der Rechtssprechung.



ich selber habe ja nicht
Heikem

ich selber habe ja nicht Stufe 4, ich meinte das für die anderen Damen.

Ich finde nach wie vor, daß alle Kriterien für off-lable-use damit erfüllt sind und durch Hemmung des TNF-alpha ein wissenschaftlicher Beweis erbracht ist. Die Experten sollten sich dazu äußern, das sollten wir zuerst einfordern!



Richtig,   deshalb
Sissi

Richtig, 

 deshalb zahlt man die Pille ja auch selbst! Wo ist das Problem bei diesem Medikament, wenn es selbst zahlt? 

--

„Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen, zum Beispiel der Relativitätstheorie.“ (Albert Einstein)



das kostet ein Vermögen!!!!
burnout

das kostet ein Vermögen!!!! google es mal, da fällst du vom Stuhl.



Remicade ist sehr teuer und
Heikem

Remicade ist sehr teuer und die Ärzte werden es nicht aufschreiben wollen, weil sie um ihre Reputation fürchten werden. Deshalb hat auch kein Experte auf meine direkte Frage Stellung genommen.



jupp ich wäre wirklich fast
Sissi

jupp ich wäre wirklich fast vom Stuhl gefallen, was bei mir in letzter Zeit immer häufiger vorkommt.......

--

„Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen, zum Beispiel der Relativitätstheorie.“ (Albert Einstein)



Hallo ihr Lieben, vor ein
achso

Hallo ihr Lieben,

vor ein paar Monaten habe ich mit meinem Gyn darüber gesprochen, der leider zwischendurch verstorben ist.

Er sagte mir, die Ansätze gehen durchaus in diese Richtung, allerdings seien die Nebenwirkungen, bzw. Spätfolgen so gravierend, daß er persönlich abraten würde. Er meinte, wenn ich mich recht erinnere, daß durch die Verringerung der Entzündungsprozesse zum Beispiel die vermehrte Zellteilung(Krebs) eher auftreten würde. Er selber hatte Rheuma und verzichtete lieber auf diese Mittel.

Leider kann ich ihn nicht mehr fragen, wie er das genau meinte, oder um nähere Erklärung bitten.

Lg

Hägar



Das würde eine evtl. Folge
Heikem

Das würde eine evtl. Folge der Immunsuppression sein, aber keine direkte krebsauslösende-oder fördernde Wirkung. Dann wäre es auf dem level der Medikamente, die Personen mit Organtransplantationen nehmen. Remicade nehmen sogar Leute mit Schuppenflechte und das ist kein  Vergleich zur Endometriose Stufe 4 oder 5!

Mich ärgert, daß es keine Diskussion unter Endometriose-Experten über dieses Medikament gibt.

Vielleicht würde eine kurzzeitige Einnahme über  einige Wochen oder Monate eine deutliche Besserung bewirken. 



Eine Frage am Rande:Habe
Niki

Eine Frage am Rande:Habe bisher noch nichts von Endometriose Stufen gehört. Habe seit 14 Jahren Endo-hat mir nie jemand etwas von gesagt.

Wie wird eingestuft? Interessiert mich.

l.g

Niki



@ Niki: Gib das mal hier
Tess

@ Niki: Gib das mal hier oben rechts in der suchfunktion ein, da wurde schon oft darüber geschrieben und da findest du die Liste mit den Stadien.

--

Liebe Grüße, Tess



Prof. Tinneberg hat auf
Heikem

Prof. Tinneberg hat auf meine mail wie folgt geantwortet: 

"...herzlichen Dank dafür, dass Sie sich der "TNF-alpha Story" annehmen. Möglicherweise ist Ihnen bekannt, dass unser Forschungslabor sich sehr intensiv mit der TNF-alpha Familie beschäftigt und dabei natürlich insbesondere das Ziel einer Therapie verfolgt. Allerdings ist es nach meinem Kenntnisstand zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwar naheliegend, aber noch keineswegs erwiesen, dass auf diese Weise eine effektive Therapie erzielt werden kann. Da bedauerlicherweise gerade auch bei den Zytokinen durchaus mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, würde ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in der Lage sehen bezüglich des Medikamentes Remicade eine Empfehlung abzugeben. Hierzu wäre es auch erforderlich, dass erst Studien unter abgesicherten Bedingungen erfolgen, bevor eine öffentliche Empfehlung ausgesprochen wird. Nur so erkläre ich mir auch die Zurückhaltung anderer Mitglieder des Experten-Forums.

Nichtsdestotrotz sind auch wir in Gießen sehr davon überzeugt, dass die TNF-alpha Familie eine ganze Reihe von sehr hoffnungsvollen therapeutischen Optionen anbietet. Um diese jedoch umsetzen zu können bedarf es noch intensiver Forschungsarbeit..."



  Prof. Tinneberg und sein
Heikem

 

Prof. Tinneberg und sein Laborleiter haben uns freundlicher Weise folgendes Skript geschickt: 

Hum Reprod. 2008 Sep;23(9):2017-23. Epub 2008 Jun 12.

Anti-TNF-alpha treatment for deep endometriosis-associated pain: a randomized placebo-controlled trial.

Koninckx PR, Craessaerts M, Timmerman D, Cornillie F, Kennedy S.

Department of Obstetrics and Gynaecology, UZ Gasthuisberg, Katholieke Universiteit Leuven, B3000 Leuven, Belgium. pkoninckx@gmail.com

BACKGROUND: Endometriosis is associated with an inflammatory response. Hence infliximab, an anti-TNF-alpha monoclonal antibody, might relieve pain. METHODS: A randomized placebo-controlled trial was designed with 21 women with severe pain and a rectovaginal nodule of at least 1 cm. After 1 month of observation, three infusions of infliximab (5 mg/kg) or placebo were given. Surgery was performed 3 months later and follow-up continued for 6 months. The primary end-point was pain (dysmenorrhea, deep dyspareunia and non-menstrual pain) rated at each visit by the clinician and on a daily basis by the patient who in addition scored pain by visual analog pain scale and analgesia intake. Secondary end-points included the volume of the endometriotic nodule, pelvic tenderness and the visual appearance of endometriotic lesions at laparoscopy. RESULTS: Pain severity decreased during the treatment by 30% in both the placebo (P < 0.001) and infliximab groups (P < 0.001). However, no effect of infliximab was observed for any of the outcome measures. After surgery, pain scores decreased in both groups to less than 20% of the initial value. CONCLUSIONS: Infliximab appears not to affect pain associated with deep endometriosis. Treatment is associated with an important placebo effect. After surgery, pain decreases to less than 20%. Trials registration number ClinicalTrials.gov: NCT00604864.