@ Lilie + @ Ardawen
Susi Mausezahn

Hallo Ihr Beiden,

 

als erstes entschuldige ich mich mal dafür, das ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe und auf die privaten E-Mails nicht mehr geantwortet habe. Das war noch im November während der Reha.

Nachdem denn dann mal eine "Schmerztherapie" begonnen wurde, die Arcoxia nichts bewirkt haben, bekam ich danach die Katalodon. Nachdem die dann auch nicht gewirkt hat und zudem Laktose enthält, weshalb ich dann schleichend den Durchgang bekam, hieß es dann erst mal wieder: hier keine weitere Schmerztherapie, erst zuhause. Nachdem ich dann fast zusammengebrochen bin vor Schmerzen, zusätzlich noch Blutunten bekam (trotz der weiterhin LZZ Marvelon) habe ich mich ins Wartezimmer gesetzt. Wenn die mir nichts gegeben hätten, hätten die mich mit 5 Leuten wegtragen müssen, ich wäre keinen Zentimeter gerückt! Also bekam ich ein Schmerzpflaster (geht doch, nächster Versuch) und dazu Vomex, damit die ersten Nebenwirkungen nicht doch gleich so schlimm werden. Freitags war halt noch schlimm, Samstags weniger Schmerzen, dafür unendlich schlecht, also nächste Vomex und fast den ganzen Tag geschlafen. Sonntags: keine Schmerzen!!!!! Für mich fast unverständlich! Und weil ich ja dann zu den Leuten gehöre, die dann halt ausprobieren müssen: kein Fahrstuhl in den 3. Stock, sondern Treppe! Nix, keine Schmerzen. Kann nicht sein: also: Treppen wieder hoch. Weniger wie nichts, gar nichts. Juchhe. Endlich mal Schmerzfrei.

Das Pflaster ist Fentanyl 12 µg/h.

Gott sei dank. Dienstags war meine Reha zu Ende und ich eigentlich auch. Als ich im Zug gesessen habe für nach Hause habe ich erst mal geheult: endlich heim. Die 3 Wochen waren eigentlich für die Füsse gewesen und 3 Tage vor Schluss wurde nur nach "Streit" endlich eine, wenn auch zeitliche, Lösung gefunden. Wenn ich nicht auf die Barrikaden gegangen wäre, wäre ich kranker nach Hause gegangen, als ich gekommen bin.

 Zu Hause dann halt erst mal noch 3 Tage frei (Urlaub hatte ich mir schon vorher geholt), dann ab Montags halt auch gleich wieder volles Programm mit einem 15 Std.-Arbeitstag. Und ich abends heim und irgendwie froh, mal wieder wie früher arbeiten zu können - ohne Schmerzen, ohne fertig zu sein vor körperlicher Niedergeschlagenheit. Klar, müde war ich schon. Aber halt alles anders.

Jetzt habe ich seitdem das Pflaster. Ist halt als Medikament ein Hammer und frage mich halt auch, wie lange diese Dosis hält, bis sich mein Körper dran gewöhnt hat. Manchmal spüre ich schon, das unten halt alles meckert, aber kein Vergleich zu vorher!

Das Problem ist halt nur, das ich langfristig denn doch nicht an den weiteren OPs vorbei komme, denn für dauerhaft das Pflaster zu nutzen, bin ich halt noch zu jung. Das ist mir schon klar. Aber jetzt will ich erst mal so lange wie möglich das ganze nutzen, um auch mal wieder komplett auf die Füße zu kommen. Schwierig wird es halt nur: macht dieses Opiat (Morphium??) denn wirklich schnell abhängig? Und erschreckend: letztens bin ich morgens wach geworden und habe gedacht: um Himmels willen! wie wird es dir mal gehen, wenn ich dieses Pflaster nicht mehr bekomme. Da kriege ich wirklich Angst vor zukünftigen Schmerzen, die ich nicht habe aber weiss, wie die wieder ausfallen werden.

Tja,

vielleicht antwortet ihr mir ja mal wieder, und nicht böse sein, wenn ich nicht gleich antworte, bin halt nach dem Job manchmal richtig Schreibfaul.

Schöne Grüße, ein schönes Wochenende

bis dann mal

 

Susanne



Hallo Susanne, schön,
Ardanwen

Hallo Susanne,

schön, wieder von dir zu hören/lesen.

Finds schade, dass dir die Reha nicht so geholfen hat, wie gewünscht, was ist denn da genau vorgefallen, dass es dir nichts gebracht hat?

Wie siehts denn momentan aus bei dir, hast du dir schon mal überlegt, jetzt unterstützend auch eine Art Psychotherapie bzw psychologische Schmerztherapie zu machen, um mit den Schmerzen besser klarzukommen?

Ich weiß selbst, wie schwer es ist, jeden Tag mit Schmerzen zu leben und wie sehr einem das aufzehrt. Auch ich wurde mit Medikamenten unterschiedlichster Art "zugeschüttet", von denen nichts mehr gewirkt hat und alles nur noch Nebenwirkungen produziert hat. Doch an der Psyche wurde damals nie gearbeitet.

Wenn du jetzt mit dem Pflaster erstmal Linderung hast, freut mich das für dich, aber ich muss dir da auch zustimmen, du bist noch jung und das Pflaster ist für deinen Körper ja eigentlich auch ein "Hammer", den man normalerweise nur noch als letzten Ausweg sieht.

Deswegen würd ich an deiner Stelle auch jetzt schon so ne Art "Vorsorge" treffen, deine Psyche stabilisieren, in der Zeit jetzt, wo es dir schmerzmäßig besser geht, am "Schmerzgedächtnis" arbeiten.

Ich hab zur Zeit einen sehr guten Arzt, der Schmerztherapeut und Psychologe ist. Das bringt sehr viel. Ich bin medikamentös eingestellt (Amitriptylin 50 mg) und hab gleichzeitig an meinem Schmerzgedächtnis gearbeitet (schon seit der Reha in der Schmerztagesklinik,von der ich dir mal geschrieben hatte) und komme deswegen momentan trotz Schmerzen und schwierigen Tagen mit meiner Situation ganz gut zurecht. Es ist zwar - immernoch - ein hartes Stück Arbeit, jeden Tag an mir selbst zu arbeiten und den Schmerz nicht wieder die Oberhand gewinnen zu lassen, manchmal gelingt es mir auch nicht immer, aber die Phasen, wo es mir gelingt, sind länger und stärker geworden. Ich nehme den Schmerz einfach nicht mehr so "bewusst" wahr, wie vor der Schmerztagesklinik und vor der Schmerztherapie/Psychotherapie.

Denn vorher war ich - wie du jetzt - auf Opiate und Morphium angewiesen, um meine Schmerzen zu unterdrücken. Gebracht hat mir das im Endeffekt nichts, außer Leberproblemen und Gewichtszunahme vom 25 kg...

An meiner psychischen Situation hat sich damals trotz der Medikamente nämlich nichts geändert. Ich kam einfach nicht mit den Schmerzen zurecht, obwohl ich hochdosierte Medikamente hatte. Hab mich nur verkrampft, ständig in mich reingehört und auf die nächste Schmerzattacke regelrecht "gewartet".

Die Schmerzen haben mich so aus der Bahn geworfen, es hat sich aufs Arbeits- und Privatleben extrem ausgewirkt.

Jetzt hab ich mein Leben mal etwas umgestellt:

Mittlerweile wurde mir vom Versorgungsamt ein GdB von 50 anerkannt und ich habe für mich beschlossen, dass ich nur noch halbtags bzw. nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten gehen werde. Es tut meiner Gesundheit nämlich einfach nicht gut, wenn ich mir und meinem Körper soviel abverlange.

Also suche ich mir momentan eine für mich machbare Arbeitsstelle, lasse mich nicht mehr "von außen" beeinflussen, was gut für mich ist oder nicht, sondern mache das, was ich für richtig halte.

Medikamentös bin ich momentan nur mit dem leichten Antidepressivum "Amitriptylin" gegen die Schmerzen eingestellt, ansonsten mache ich seit jetzt 4 Monaten eine Wechseljahrstherapie, um die Endo zu reduzieren. Evtl folgt dann in ca. 3 Monaten nochmal eine BS, aber mal abwarten, vielleicht sehen die Herde im MRT/CT ja auch so gut aus, dass ich vorerst nicht mehr operiert werden muss.

Und den Rest der Zeit verbringe ich momentan einfach damit, Dinge zu tun, die mir guttun: Bissel Sport machen, mir Zeit für mich nehmen, entspannen (Sauna usw), meinen Hobbies nachgehen, Zeit mit meinen Lieben verbringen usw...

 

Ich drück dich ganz doll und hoffe, dass du die nächste Zeit wieder etwas positiver siehst, grade, wenn du jetzt endlich mal wieder schmerzfreier bist!