mal ganz andere Gedanken und Erkenntnisse...
Liv_23

Hallo Mädls,

ich habe mir in den letzten Monaten soviele Gedanken gemacht über meine "Krankheit". Ich sehe seit sehr kurzer Zeit erst, das Thema von einer, für mich ganz neuen und komplett anderen Perspektive. Das Ganze mag jetzt vielleicht bissal seltsam klingen aber ich möchte es einfach mal loswerden und vielleicht geht es ja dem einen oder anderen von euch genauso... entschuldigt schonmal das weite ausholen aber ich möchte gerne erklären warum ich zu diesen Erkenntinissen gekommen bin. 

Ich bin 29 Jahre und hab eigentlich immer so meine gesundheitlichen Problemchen gehabt. Da ich schon mit 7 Jahren angefangen hab Leistungssport zu betreiben, habe ich diese Problemchen immer versucht radikal und knallhart zu bekämpfen. zB hatte ich über 6 Jahre Pfeiffersches Drüsenfiber und habe in der Zeit mind. alle zwei Monate Antibiotikum genommen, schon mein ganzes Leben habe ich sehr starke Neurodermitis am ganzen Körper gehabt und jahrzehntelang Cortison genommen, Darmgeschwüre und noch vieles mehr... hatte immer den Eindruck alles was man kriegen kann wollte mein Körper haben an solchen Krankheiten. Und mit 11 Jahren habe ich die Periode bekommen, hatte schnell starke Beschwerden und habe daraufhin gleich mit 13 angefangen die Pille durchzunehmen.

Rückblickend habe ich also meinen Körper nichts gutes getan, ihn nur unter Stress gestellt, ihm abverlangt dass er ständig funktioniert und ihn mit Medikamenten vergiftet. Das hat mich dazu gebracht dass ich meinen Körper eigentlich immer gehasst habe, weil er eben nie so funktioniert hat wie ich wollte. Für mich kam damals nichts in Frage wie alternative Medizin oder mich überhaupt mit all dem auseinander zu setzen egal in welcher Weise. Wenn Krankheit da war, dann kamen Tabletten und Krankheit war erstmal wieder weg. Endloser Teufelskreis. 

Ein irreparabler Sprunggelenkbruch hat mich gezwungen mit 23 Jahren meinen Leistungssport zu beenden. Folge: noch mehr Hass auf meinen Körper. Daraufhin hab ich alles stehen und liegen gelassen und bin ein Jahr Reisen gegangen. Voller negativer Energie und Frust. Lustigerweise ging es mir in diesem Jahr so gut wie noch nie. Ich hatte kaum Beschwerden. Das Einzige was mich geplagt hat, war meine Periode. da ich dort die Pille abgesetzt habe zum ersten Mal und die Endo vermutlich ihren Lauf nahm. Ich habe dort gelernt positiver mein Leben zu sehen und zu genießen. Als ich wieder daheim war, ging allerdings alles nur noch Berg ab... Neurodermitis so schlimm wie nie, ständig krank und meine Periode war kaum mehr auszuhalten. Nachdem ich kapiert hatte dass Antibiotikum, Cortison und Schmerzmittel mir nur kurze Zeit weiter halfen, entschied ich mich zu einer Homöopathin zu gehen. Ich war damals überhaupt nicht überzeugt von den "glaubdran Kügelchen" aber dachte mir, ich hab ja nichts zu verlieren. ein Jahr später - bis heute, bin ich Neurodermitisfrei, Asthmafrei und noch mehr solcher Dinge. Also ein Erfolg. Ich bin immer noch in Therapie und arbeite auch mit ihr an meiner Endo (dort leider noch kein Erfolg bisher). Seit zwei Jahren gehe ich auch zur Psychotherapie. Das alles wäre für mich früher niemals in Frage gekommen und ich habe das Ganze nur belächelt. 

Ständig habe ich mich gefragt wieso es mir in dem Jahr im Ausland so gut ging und jetzt wieder schlecht. Das hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass unsere Psyche fast alles im Körper steuert auch Dinge wie Krankheiten. Als ich unterwegs war, war ich "frei" von all meinen Problemen, habe einfach alles hier gelassen und war ein anderer Mensch. So sehr ich mir auch vorgenommen hatte, zuhause genauso positiv und gesund zu sein, haben mich meine Probleme einfach wieder eingeholt.

Worauf ich hinaus will, ich bin mittlerweile der absolut festen Überzeugung, das je mehr wir gegen unseren Körper kämpfen, desto stärker schlägt er zurück und versucht dir klar zu machen dass du keine Chance hast.

Ich musste mit der Homöopathie lernen mich zu akzeptieren wie ich bin. Habe meine Neurodermitis immer versteckt und auch deshalb nie einen Partner gehabt weil es mir peinlich war. Jede Art von Krankheit war für mich eine Schwäche die ich nicht eingestehen und zeigen wollte. Heute habe ich eine tolle Beziehung mit einem großartigen Mann.

Und genauso ging es mir jetzt wieder mit der Endo. Ich habe Jahre gebraucht um überhaupt eine Diagnose zu bekommen. Hatte das Gefühl ich bin verrückt und bilde mir diese Schmerzen nur ein. War frustriert und wieder voller Hass. Als die Diagnose kam war ich erst erleichtert, wenigstens endlich zu wissen was es ist. aber die Erleichterung hielt nicht lang an, denn dann kam der Kampf den ich bis heute nicht gewonnen habe. Vor einem Jahr noch, wollte ich meine GM entfernen lassen und nur mein Freund hat mich davon abgehalten. Wie sehr ich ihm heute dankbar dafür bin, kann ich garnicht ausdrücken. Ich war wütend auf meinen Körper auf meine GM und wollte dass das einfach alles schnell vorbei ist. Bis vor kurzem war ich auch der festen Überzeugung dass ich niemals Kinder haben möchte, also war das "Ding" für mich eh zwecklos.

Lustigerweise habe ich heute das Gefühl dass genau DAS der Grund für meine Endometriose ist. Ich habe mein Leben lang quasi meine Weiblichkeit unterdrückt. Durch die Pille hab ich tatsächlich auch meine Pupertät unterdrückt, ich sah damals tatsächlich nicht mal sehr weiblich aus. Ich habe einen absoluten Männerberuf gewählt und wollte dort immer "meinen Mann stehen" und nicht als Frau anders behandelt werden. Ich wollte Karriere machen und keine Familie gründen und Mutter sein.

Als würde meine Gebärmutter mir nun mit Gewalt zeigen wollen: "du bist eine Frau egal wie sehr du dich wehrst".

Wenn ich mir das letzte Jahr jetzt so anschaue: ich habe mich mit Hormonen vollgepumpt um den Zyklus zu unterdrücken und habe Dauerblutungen über Monate hinweg bekommen. Ich habe Antidepressiver als Schmerztherapie genommen und Depressionen, Schlafstörungen und Panikattacken bekommen. Ich habe Betäubungsspritzen in die Nervenenden gespritzt bekommen und eine Überempfindlichkeit der Nerven bekommen. Ich habe verschiedene Schmerzmittel mit hoher Dosis ausprobiert und lauter Unverträglichkeiten bekommen.

Eigentlich unfassbar dass mein Körper so hart kämpfen musst um mir begreiflich zu machen, dass ich keine Chance gegen ihn habe.

Und ganz ehrlich, wenn man sich die Ärzte so anhört.... einen richtigen Plan oder DAS Heilmittel haben die doch auch alle nicht. Man macht alles brav was die sagen, probiert alles aus... und was hilfts: NIX! 

Mir geht es momentan bei weitem nicht gut. Die Schmerzen sind eher schlimmer als je zu vor und ich bin fern ab von Blutungsfreiheit. ABER ich habe mich jetzt entschieden aufzuhören zu kämpfen und anzufangen zu akzeptieren. Angefangen meinem Körper Gutes zu tun, wie zB Zeit, Ruhe, Bewegung, positive Energie, Schlaf, ordentliche Ernährung etc. und so wenig wie möglich Schlechtes, zB Gifte wie Psychopharmaka, Betäubungsmittel und der gleichen, keinen Stress, kein Selbstmittleid, keine negative Energie.

Ich weiß nicht ob ich meine Schmerzen in den Griff kriegen werde damit, aber ich kann sagen dass ich mich seit Jahren nicht so gut gefühlt habe wie in den letzten zwei Monaten, seit ich dies erkannt habe und mich für diesen Weg entschieden. Und seit kurzer Zeit kann ich mir vorstellen eine Familie zu gründen und Mutter zu werden. Wie absurd das Leben doch manchmal ist oder nicht!?

Danke fürs lesen liebe Mädls. Wenn der ein oder andere dass überhaupt liest, wäre froh über Gedanken und Meinungen dazu. Und wenn nicht hats trotzdem gut getan das runter zu schreiben. Laughing  

Ein schönes Wochenende euch allen

Liebe Grüße Liv 



Liebe Liv, vielen Dank für
Miramee

Liebe Liv,

vielen Dank für Deinen spannenden Bericht! Es freut mich sehr für Dich, dass Dein Weg so eine positive Wendung genommen hat!

Auch wenn mein Leben in vielerlei Hinsicht unter anderen Vorzeichen stand als Deines - ich hatte z.B. als Kind/Jugendliche nicht mit gesundheitlichen Problemen zu tun und habe nie Leistungssport getrieben - münden meine Erfahrungen doch in ganz ähnliche Ansichten.

Ich habe erst im jungen Erwachsenenalter, als meine Endo-Beschwerden richtig schlimm wurden, "härtere" Mittel wie Hormonpräparate überhaupt für mich in Erwägung gezogen und dann auch probeweise in Anspruch genommen. Aber mir haben diese Mittel, die ich nicht gut vertrug, immer einen Haufen Nebenwirkungen und keinerlei Besserung beschert. Insofern fiel die Entscheidung, es nach mehreren Versuchen nicht mehr zu probieren, leicht, auch wenn ich noch keine alternative Idee hatte.

Bis dahin war allerdings meine Kraft weitgehend erschöpft: ich habe mir auch immer eine Menge abverlangt, hatte mein Studium und nebenbei schon bald Familie und einen Aushilfsjob zur Finanzierung. Du kannst Dir schon denken, dass bei dem Stress - der mir "normal" vorkam - die Endo-Beschwerden stärker wurden und ich mich ähnlich von meinem Körper tyrannisiert fühlte, wie Du es beschrieben hast. Mein Körper hat einfach nicht so funktioniert, wie ich das wollte - und wenn ich dann zu härteren Mitteln griff, wurde es nur noch schlimmer... 

Nach einigen kraftraubenden Jahren - der Versuch mit einer Dreimonatsspitze hat meinen Hormonhaushalt 3 Jahre lang beschäftigt und mich irgendwann auf dem Zahnfleisch kriechen lassen - war es dann auch bei mir soweit: Depressionen haben mich völlig außer Gefecht gesetzt. Aber ich fand bald einen sehr guten Psychotherapeuten, der mir wieder auf die Beine half. Auch Yoga hat mir in dieser Zeit enorm geholfen. Diese Krise war für mich der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich weder mir noch anderen etwas Gutes tue, wenn ich mir zuviel auflade und zu erzwingen versuche, was nicht von selbst gehen will. Ich habe gelernt, einige Ansprüche an mich selbst und das, was ich tue, herabzuschrauben, um dafür mehr Ausgleich in Form von Ruhe und Entspannung in mein Leben zu integrieren. Und ich habe gelernt, mich auch in meiner körperlichen Ausprägung mehr zu mögen. Das ist die Sache mit der Akzeptanz, die Du ansprachst.

Seitdem versuche ich nicht mehr gegen die Krankheit zu leben, sondern mit ihr, indem ich sie als Teil, der zu mir gehört, berücksichtige. Mein Körper, den ich früher oft als "Gegner" erlebt habe, dankt es mir und fühlt sich endlich wieder wie ein konstitutiver Teil von mir an, nicht wie "das andere da", das mich bremst und blockiert. Auch mein Akupunkturarzt hat mir sehr geholfen, diese Sichtweise weiter auszupärgen, indem er mir gezeigt hat, dass mein körperliche Hypersensibilität nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Gabe sein kann. 

Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde zu sagen, dass die Psyche die Ursache der körperlichen Beschwerden ist. Es gibt ja auch genetische Anlagen und Umwelteinflüsse, die einiges bewirken können. Aber ich sehe Körper und Seele als zwei Aspekte meinerselbst, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ständig im Austausch miteinander stehen und permanent Einfluss aufeinander ausüben. Geht es der einen Ebene nicht gut, wirkt sich das zwangsläufig auch auf die andere aus und umgekehrt. Aber auch positive Erfahrungen von Körper oder Seele strahlen auf die andere Ebene aus.

Stress z.B. wirkt sich auf beiden Ebenen deutlich aus: ich fühle mich psychisch unter Druck, aber es laufen auch körperliche Reaktionen ab. Unter anderem wird das in den Nebennieren gebildete Cortisol zur Stressbewältigung auf beiden Ebenen benötigt und fehlt dann dort, wo es entzündungshemmend wirken sollte, z.B. an meinen Endo-Herden. Wenn ich mich - wegen des Stresses  - dann noch schlecht ernähre, z.B. zu viel Süßes esse, heize ich die Entzündung weiter an, habe dann wieder mehr Schmerzen, dadurch wieder mehr Stress durch die Endo und gerate so in eine Art Teufelskreis. Um einen solchen zu vermeiden, kann ich aber vorher auf verschiedenen Ebenen ansetzen: ich kann auch psychischer Ebene versuchen, mich nicht so leicht stressen zu lassen, also meine Ansprüche so zu definieren, dass mich auch Druck von außen nicht stresst. Ich kann versuchen, mit schon vorhandenem Stress - den ich mir vielleicht auch machen WILL, z.B. durch meine Kinder - anders umzugehen, indem ich immer wieder Ausgleichszeiten einplane und "Ausruhen" wirklich zum Tagesordnungspunkt mache - so kann ich über die körperliche Ruhe und für mehr seelische Ruhe sorgen. Und ich kann meinen Körper z.B. durch eine entzündungshemmende Ernährung so unterstützen, dass die Endo nicht bei jedem kleinen Stress, den das Leben eben so mit sich bringt, aufblüht.

Soweit von mir!

Liebe Grüße und alles Gute!

Mira

 

 



Hallo Liv, ich sehe es
katwe14

Hallo Liv, ich sehe es grundsätzlich so wie Mirammee, diese Drkrankung trifft auf einen Körper mit einer einzigartigen Genetik, der unter ganz bestimmten Umweltbedingungen leben muss, die nur bedingt zu beeinflussen sind und sie trifft auf eine bestimmte Lebensweise und Psyche.

Auch weiß ich von meinem Vater und so beschreibe ich es ja auch auf meiner Site, dass sich schwee Verläufe von Viruserkrankungen insbesondere als Kind auch negativ das spätere Immunsystem auswirken können.

Trotzdem muss ich sagen wenn ich mir vor Augen führe das wir letztendlich nur aus Energie bestehen und das  Materie einfach nur langsame Energie ist, mag ich mir nicht auszudenken, wie feinstofflich die Einflüsse auf unseren Körper sind. Ich kenne viele Beispiele um mich herum, die mir das auch bestätigen.

Es gibt ein tolles 7Buch: Frauenkörper-Frauenweisheit von Christine Northrup, ein Klassiker der genau das gleiche wie Du beschreibst.

Ich denke auf jeden Fall, dass man den eigenen Körper wunderbar beim Kampf gegen diese Erkrankung unterstützen kann. 



Hallo Miramee danke für
Liv_23

Hallo Miramee

danke für deine liebe Worte und deine Meinung. Tut mir leid dass ich jetzt erst lese und schreibe. War leider zu lange nicht hier...

Mich freut es sehr zu hören, dass du einen ganz ähnlichen Weg gegangen bist und damit auch sehr gut zurecht kommst. Das motiviert mich dabei zu bleiben. Auch was du schreibst hinsichtlich Stress und Vorbeugung werde ich mir zu Herzen nehmen, glaube da kann ich doch noch einiges tun und Verbessern, damit ich garnicht wieder in diesen Teufelskreis gerate. Da werde ich deine Tipps mal versuchen umzusetzen.

Außerdem ist es einfach immer wieder schön zu lesen, dass es doch einige Endo-Frauen mit Kindern gibt. Das freut mich sehr. Vorallem dass du die Kraft hast, das alles so zu Meistern. Respekt!

Ich wünsche dir alle Liebe und Gute weiterhin auf diesem Weg. 

Kathrin wird es nun ja leider nicht mehr lesen, ich danke ihr trotzdem auch für ihre Meinung und Gedanken.

Glg Liv