Erfahrungen mit GnRH-Analoga
Kräuterhexe

Da ich bei meiner Suche nach Erfahrungen mit GnRH-Analoga zu einem großen Teil auf negative Erfahrungen gestoßen bin, dachte ich mir, ich könnte auch mal ein paar positive anbringen ;)

Ich habe am 10.4. die erste Spritze bekommen, ein 1-Monatsdepot und interessanterweise nicht Enantone, sondern Leuprone von Hexal, das zwar denselben Wirkstoff beinhaltet, aber eigentlich das Äquivalent für den Mann bei Hodenkrebs ist. Der Gehalt an Leuprorelin ist beim Leuprone geringfügig kleiner: 3,6 mg anstelle von 3,75 mg (bei Enantone). Ich vermute, dass mein Arzt erstmal schauen wollte, wie ich darauf reagiere...

Der 1. Monat war eigentlich ein reiner "Hormonumstellungsprozess", das Östrogen stieg wie erwartet kurzfristig stark an und fiel dann rasant ab, was sich bei mir in Blutungen äußerte. Und da nur wenig Schleimhaut zum Abbluten da war, hat es ein Blutgefäß wieder geöffnet, das bei meiner Myom-OP im Februar verödet worden war. Die Folge waren sehr starke Blutungen, die mich völlig ausgelaugt haben und meine Eisenspeicher bis zur Erschöpfung geschröpft haben...Zum Glück haben blutungsstillende Medikamente schnell gewirkt und die Blutung stoppen können. Von da an ging es bergauf.

Vor knapp 2 Wochen habe ich die 2. Spritze bekommen, dieses Mal Enantone und gleich ein 3-Monats-Depot. Zu dem Zeitpunkt fingen auch die ersten Wechseljahrbeschwerden an, wobei ich sagen muss, dass diese sich in Grenzen halten und ich sie sehr gut "ignorieren" kann.

Die Tatsache, dass  meine Unterleibsschmerzen zu fast 100% verschwunden sind, wiegt für mich alles auf. Vor der OP hatte ich chronische Beschwerden, zyklusunabhängig und nur durch die Maximaldosis Schmerzmittel halbwegs ertragbar. Jetzt habe ich endlich das Gefühl, wieder eine Chance zu haben, "zu mir zurückzufinden" und meinen Körper wieder zu stärken. 

Die Nebenwirkungen der Spritze sind soweit:

- Akne

- Haarausfall (wobei ich den schon vorher "gewohnt" war, vor der OP hatte ich das jahrelang...)

- Gesichtsrötung (die geht auch gar nicht mehr weg..unabhängig von Hitzewallungen)

- Hitzewallungen (ein Gefühl, als wäre man in der Sauna, die Hitze staut sich im Körper, vor allem im Kopf und kann nicht entweichen)

- Schlafstörungen (wobei ich die schon seit mittlerweile fast einem Jahr habe, aufgrund der Schmerzen bin ich auch daran gewöhnt)

- Scheidentrockenheit (da habe ich mir jetzt Zäpfchen und eine Creme ohne Hormone besorgt, mal schauen, was das bringt) 

Am "schlimmsten" sind die Hitzewallungen, wobei ich die ganz gut in den Griff bekomme, wenn ich in einen kühleren Raum gehe, mir was Kaltes an den Kopf halte, mir Kleidungsstücke ausziehe (Zwiebel-Prinzip) oder sie einfach ignoriere. Denn im Gegensatz zu den Schmerzen klappt es tatsächlich, die Hitzewallungen zu ignorieren. Zwischendurch ist mir dann auch mal wieder kalt, kalte Füße, kalte Hände...dann wieder warm. Aber wie gesagt, das ertrage ich 1000x lieber als die Endo-Schmerzen.

Eine Add-Back-Therapie bekomme ich nicht, mein Frauenarzt hat mich davon überzeugen können, dass es kontraproduktiv wäre und da wir nicht vorhaben, die Therapie länger als 6 Monate durchzuführen, ist das auch völlig in Ordnung. Was wir nach den 6 Monaten machen, weiß ich allerdings noch nicht, da graut es mir ein bißchen vor. Aber ich will jetzt noch nicht daran denken und genieße erstmal die Zeit der Schmerzfreiheit...

Ich bin überzeugt davon, dass mir die Ernährungsumstellung, die ich seit der OP konsequent durchziehe, sehr bei den Nebenwirkungen der Wechseljahre hilft. Ich bin ohnehin seit über 20 Jahren Vegetarierin und habe dann einfach zusätzlich auf Milchprodukte verzichtet. Ich versuche, so gut es geht keine verarbeiteten Lebensmittel zu mir zu nehmen und immer frisch zu kochen (auch wenn es zeitlich schon ein Kraftakt ist). Süßigkeiten esse ich kaum noch, wenn dann Bitterschokolade mit sehr hohem Kakaoanteil oder selbstgebackene Kuchen, Plätzchen etc. Nicht mit weißem Zucker, sondern mit Rohrohrzucker, Agavendicksaft, Yaconsirup, Ahornsirup etc. Alkohol habe ich vorher schon sehr wenig getrunken, jetzt gar nicht mehr. Kaffeetrinkerin war ich auch nie...ich trinke weiterhin ca. 2 Liter Kräutertee am Tag, dazu Wasser und Säfte bzw. selbstgemachte Frucht-Smoothies. Ich bilde mir außerdem ein, dass Kombucha mir hilft ;)  

Interessanterweise habe ich seit der OP 10 kg abgenommen, das wäre nicht wirklich nötig gewesen, weil mein Gewicht im normalen Bereich lag - obwohl, geschadet hat es auch nicht ;) So fühle ich mich fitter und bisher habe ich durch die Behandlung nicht zugenommen.

Da ich mich langsam besser fühle, möchte ich jetzt auch sportlich etwas aktiver werden. Bisher habe ich vorsichtig mit Hormon-Tai-Chi bzw. Quigong angefangen, ich habe da eine nette DVD, damit fühle ich mich sehr gut..ich glaube, dass es tatsächlich etwas bewirkt.

Soweit, so gut...ich habe ja erst 1,5 Monate rum, bleiben noch 4,5. Ich bin gespannt, wie es mir weiterhin geht und möchte gerne nach ca. 4 Monaten nochmal ein Ultraschall machen lassen, um zu schauen, ob die zwei Endozysten, die nach der OP direkt wieder gewachsen sind (5 bzw. 6 cm) und das undefinierbare Gebilde in der Gebärmutter (entweder Reste der Myomentfernung oder neues Myom) durch die Behandlung zurückgegangen sind. 

Und dann muss ich (zusammen mit meinem Mann) überlegen, wie es mit dem Kinderwunsch aussieht...ob wir einen Versuch starten, vor Dezember geht da (wegen der Myomentfernung ohnehin nichts), aber schauen wir mal... 



GnRH-Analoga
UPS15

Hallo,

danke für den Bericht! Da konnte ich mir mal ein Bild machen von der GnRH- Therapie. Es wäre toll wenn Du weiter berichten magst, wie es Dir weiter ergeht. QiGong wirkt bei mir auch auf die Endobeschwerden ein. Die Trainerin läßt mich auch einige Übungen nicht mit machen, wegen der Endo.  Auf jeden Fall erst einmal alles Gute.



Auslauf der GnRH-Analoga-Therapie
Kräuterhexe

Nächsten Freitag ist theoretisch der letzte Tag meiner Therapie mit Enantone...zusammenfassend kann ich sagen, dass ich extrem dankbar für die letzten 7 Monate bin. Ich hatte keinerlei Beschwerden, konnte sehr viel Kraft und Energie tanken und habe mich wie ein neuer Mensch gefühlt. Nebenwirkungen waren da...vor allem die Hitzewallungen waren gewöhnungsbedürftig (teils im 5-Minuten-Takt), die Scheidentrockenheit war extrem (interessanterweise war Lust da, aber dieser Umstand hat jeglichen Spaß zunichte gemacht...)...abgesehen davon habe ich mich aber richtig gut und vor allem gesund gefühlt. Das hat sicher auch mit meiner Ernährungsumstellung zu tun und mit der wirklich sehr positiven Einstellung, die ich im letzten halben Jahr gewinnen konnte. Trotzdem verdanke ich der Ruhigstellung meiner Endometriose durch Enantone die Möglichkeit, mein Leben - zumindest für diesen Zeitraum - so zum Positiven zu wenden. Das halbe Jahr davor war von konstanten Schmerzen geprägt, sozialer Isolation und Resignation...

 Ich habe definitiv Angst, wie es nach der Therapie weitergeht...ich bin überzeugt davon, dass die Endometriose zurück kommt. Nur 3 Wochen nach der OP hatte ich damals die ersten Zysten, außerdem wieder ein Myom in der Gebärmutter...durch Enantone ist eine Zyste komplett verschwunden und die zweite deutlich geschrumpft. Myomgewebe war immer noch deutlich erkennbar in der Gebärmutter und auch im Douglas-Raum konnte mein Frauenarzt vor zwei Wochen deuliche Verwachsungen spüren :( Ich habe mich dazu entschlossen, ab Freitag gleich mit der Visanne weiterzumachen und hoffe, dass alles gut geht...

Die Therapie mit Visanne hatte nach der OP keinen Erfolg gebracht, was aber sicher auch mit der schlechten Wundheilung und konstanten Blutungen zu tun hatte...ich hoffe einfach, dass es funktioniert. Im allerschlimmsten Fall weiß ich, dass ich lieber eine Total-OP durchführen lassen würde, als noch einmal diese Schmerzen zu ertragen. Ich weiß jetzt, wie sich die Wechseljahre anfühlen. Sie sind nicht toll - aber immer noch besser als Schmerzen. Und dieses kleine "Hintertürchen", die Möglichkeit, dass ich den Schmerz im allergrößten Notfall doch besiegen könnte, gibt mir die nötige Kraft...

Den Kinderwunsch haben wir nach langem hin und her tatsächlich komplett "abgeschlossen". Mein Mann hat sich untersuchen lassen mit einem "niederschmetternden" Ergebnis von 0% normalen Samenzellen und 100% mutierten...ohne künstliche Befruchtung also keine Chance und selbst dann...Wir haben letztendlich entschieden, dass es keinen Sinn macht, auf Teufel komm raus, ein Kind "prodzieren" zu wollen, wenn unsere beiden Körper sich so dagegen wehren und die Natur es überhaupt nicht vorgesehen hat bei uns. Unser Kinderwunsch ist zwar nicht riesig, aber trotzdem war das eine schwere Entscheidung. Wir haben uns überlegt, evtl. in einigen Jahren ein Pflegekind aufzunehmen, falls wir merken, dass uns auf jeden Fall etwas fehlt. Aber erstmal hoffe ich, dass meine Erkrankung nicht wieder das Kommando übernimmt...