Endometriose - keine Beschwerden?
Tanja

Bei mir wurde bei einer Leistenbruch-OP zufällig eine Zyste im Leistenkanal entdeckt und dabei auch gleich entfernt. Heute habe ich den Befund erhalten. "Ein kleiner Endometrioseherd". Da ich von dieser Krankheit noch nie etwas gehört habe, habe ich mich im Netz informiert und bin dann auf dieser tollen Seite gelandet. Meine Frage: Heißt das jetzt, wenn ich so eine Endometriose-Zyste hatte, ich habe noch mehr? Ich habe hier gelesen, dass man das nur per Bauchspiegelung feststellen kann. Da ich meine OP gerade erst eine Woche hinter mir habe, graut es mir sehr davor. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich auch keinerlei Beschwerden habe, außer Schmerzen während der ersten 1-2 Tage meiner Periode. Ich bin aber davon ausgegangen, dass dies normal sei, es behindert mich auch nicht weiters. Was würdet ihr tun? Es druch einen Arzt abklären lassen? Kann man, wenn man keine Beschwerden hat, evtl. weitere Endo-Herde auch unbehandelt lassen oder kann es dadurch zu ernsthaften Erkrankungen (z.B. Krebs) kommen?
Über eure Antworten bin ich sehr dankbar, da ich im Moment ziemlich durcheinander bin.
Liebe Grüße Tanja



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
Anna

Hallo Tanja,

dass du eine Endometriose-Zyste hast, heisst erstmal wenig. Ich habe in einem Buch gelesen, dass mindestens jede 10. Frau Endometriose hat und schon deshalb bei der WHO umstritten ist, ob es überhaupt als Krankheit zu bezeichnen ist.

Es kommt (wie immer) auf die Umstände an und kann auch viel Leid bedeuten (bis hin zur Unfruchtbarkeit und Berufsunfähigkeit.)

Endometriose heisst, dass sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter abgelagert hat und zyklisch einblutet. Da die Blutung nicht aus dem Körper ausgeschieden wird, bilden sich Zysten. Bei vielen Frauen ist es so, dass zusätzlich zu den Zysten Verwachsungen auftreten. Sind dadurch z.B. die Eileiter verklebt oder sogar dicht oder ist die Zyste an den Eierstöcken und so groß, dass die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt wird, kann eine Schwangerschaft erschwert werden oder sogar auf natürlichem Weg unmöglich werden. KANN.

Die meisten Frauen bekommen die Diagnose leider erst, wenn Kinderwunsch besteht, der seit langem unerfüllt ist. Ich weiss nicht, wie es bei dir ist? (Sei also froh, wenn du es jetzt beiläufig erfahren hast.)

Andere wiederum haben erhebliche Beschwerden während der Menstruation.

Wichtig sind vor allem zwei Dinge:

1. Mach dich nicht verrückt
2. nimm es trotzdem ernst, d.h. lass dich (z.B. bei Kinderwusch) gut untersuchen und beraten

Übrigens: Endometriose ist eine gutartige Krankheit und hat nichts mit Krebs zu tun.

Gute Frauenärzte können eine erste Diagnose schon durch Ultraschall stellen. Wenn dort keine Zysten entdeckt werden, sollte alles ok sein.

Liebe Grüsse erstmal soweit,

Anna



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
brigitte

Liebe Anna,
es stimmt absolut nicht, dass mit Ultraschall Endometriose diagnostiziert werden kann. Grosse Zysten kann man sehen, aber die meisten Endo-Herde (nicht Zysten) sieht man nicht mit Ultraschall. Ohne Bauchspiegelung ist deshalb eine Endometriose nicht zu diagnostizieren.

Liebe Tanja,
Irgendwann würde ich an deiner Stelle wohl eine Bauchspiegelung machen, um auszuschliessen, dass sich in deinem Bauchraum unbemerkt eine Endometriose verbreitet, so dass diese schon fortgeschritten wäre, wenn sich deine Beschwerden erst viel später verstärken würden.
Natürlich würde ich auch noch warten, bis du dich erholt hast. Um die Verbreitung einer eventuellen Endometriose zu vermindern, würde ich bis dann eine gestagenbetonte Pille nehmen, die auch deine Perioden-Schmerzen verringern würde, ob du nun eine Endometriose hast oder nicht.
Eine nicht diagnostizierte, unbehandelte Endometriose könnte schliesslich eine Schwangerschaft erschweren oder sogar unmöglich machen.
Weisst du, ich glaube, die Belastung, dich immer wieder fragen zu müssen, ob du nicht vielleicht doch weitere Endometriose-Herde habest oder nicht - diese Belastung ist viel grösser als die Belastung durch eine Bauchspiegelung, nach der du wirklich Gewissheit hast. Es ist überhaupt nicht gesagt, dass du weitere Ende-Herde hast, aber die Endometriose ist doch eine sehr ernstzunehmende Krankheit, je nach Schweregrad.

Herzlich, brigitte



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
Babs

Hallo Tanja,

Brigitte hat schon recht, wenn sie meint, dass es am bessten wäre die ganze Sache durch einen erfahrenen Arzt
abzuklären. Da hast Du wenigstens die Gewissheit , wie weit die Endometriose vortgeschritten ist.
Danach weiss man auch ( ich meine den Arzt ) was für eine
Art der Behandlung am bessten in Frage käme.

Liebe Grüße und " Halte die Ohren Steiff "
Babs



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
Monroe

Hi.

und noch eine Meinung:
wenn es dir jetzt gut geht, würde ich auf keinen Fall eine Bauchspiegelung machen lassen!!! Evtl. noch, sofern kein aktueller Kinderwunsch, die Pille nehmen. Ansonsten würde ich gar nix machen.

Du weisst doch jetzt, dass es zumindest mal diesen Befund gab und dass da noch was sein kann. Wenn Beschwerden da sind, kannst du immer noch handeln. Da hast du dann einen grossen Vorteil, du kannst den Arzt wenn es wirklich mal zu Problemen kommt, gezielt auf die Endometriose hinweisen.

Im Falle, dass du jetzt gespiegelt wirst und dass sie dir alle Herde entfernen, ist das immer noch keine Garantie, dass die Endo dann für immer weg ist. Und für diese Aussichten auf den OP-Tisch? Da hätte ich besseres zu tun. Zumal es sein kann, dass du überhaupt nichts gewinnst, ggf. kannst du Pech haben und bekommst hinterher erst Schwierigekeiten (Stichwort Verwachsungen).

Es wird doch davon ausgegangen, dass wirklich viele Frauen die Endo in sich tragen, ohne davon zu wissen. Die haben weder grössere Schmerzen noch sind sie unfruchtbar. Es besteht doch durchaus eine gute Chance, dass du zu dieser Gruppe gehörst. Lass dich regelmässig untersuchen und achte selbst auf Veränderungen, wie oben schon gesagt evtl. die Pille. Mehr würde ich nicht machen!

Du kannst dich ja mit deinem Frauenarzt mal darüber beraten.

LG
Monroe



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
Anna

Hallo nochmals,

ich habe nie sagen wollen, dass man mit Ultraschall Endo diagnostizieren oder ausschließen kann. Ich denke nur, dass wenn im Ultraschall alles in Ordnung ist und ansonsten keine Beschwerden und kein unerfüllter Kinderwunsch besteht, man auch keine Bauchspiegelung machen sollte.

Wir alle wissen doch, dass auch jede OP neue Verwachsungen auslösen kann. Ausserdem habe ich einfach etwas gegen Panikmache, die nützt nämlich überhaupt nichts. Nicht jede Frau mit Endo muss den Leidenweg durchmachen, den einige hier erlebt haben.

Liebe Grüsse,

Anna



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
Tanja

Hallo ihr alle,

danke vielmals für eure Antworten. Das hat echt gut getan, weil ich total durcheinander war. Da dachte ich, super, die Leistenbruch-OP ist rum und dann flattert noch ein brief ins Haus mit einer Diagnose, die ich nicht mal vom Namen kannte. Ich werde es jetzt so machen wie Anna und Monroe mir geraten haben, was übrigens auch die Meinung meines Leistenbruch-Chirurgen ist (der natürlich kein Gyn ist). Solange ich keine Beschwerden habe, keine BS durchführen lassen, weil es ja immerhin eine OP mit Vollnarkose ist. Und so wie Monroe sagte, habe ich dann auch keine Garantie, dass es für immer weg ist. Natürlich beunruhigt es mich schon, dass da etwas sein könnte, aber so wie ich es verstanden habe, habe ich diese Beunruhigung immer wieder, da es eine chronische Krankheit ist. Also noch mal vielen Dank für eure lieben Worte.
Tanja



Re: Endometriose - keine Beschwerden?
brigitte

Liebe Tanja,

Es ist mir überhaupt nicht um Panikmache gegangen, aber ich finde, dass du für einen Entscheid alle Perspektiven und Möglichkeiten kennen solltest.

Natürlich tragen viele Frauen die Endometriose unbemerkt in sich, ohne dass die Endo je zu Problemen führt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sich eine Endometriose unbemerkt und ohne jede Symptome so ausbreiten kann, dass sie sehr weit fortgeschritten ist, wenn die ersten Beschwerden auftreten. Deshalb kann eine Früherkennung sehr sinnvoll sein. Zu welcher Gruppe du gehörst, kann im Augenblick kein Mensch sagen.

Was ich in deinem Fall auf gar keinen Fall unterlassen würde, wäre ein Gespräch mit einem Endometriose-Spezialisten. Ein Chirurg ist meiner Meinung nach nicht die richtige Ansprechperson.

Ich wünsche dir sehr, dass du die für dich richtige Entscheidung triffst, brigitte