Ich will meine Libido zurück

Hallo ihr Lieben, 

Ich war bislang passives Mitglied und habe sehr von euren Beiträgen profitiert. Gleichzeitig machen mich manche Themen hier wahnsinnig betroffen, insbesondere das Thema Libidoverlust und der Umgang damit. Ich kann sehr gut nachempfinden, dass man nach einem langen Leidensweg, den wir hier wohl alle hatten, den sichersten Weg (wenn man das überhaupt sagen kann) wählt und Hormone einnimmt.

In den letzten Monaten komme ich aber immer wieder an den Punkt, an dem ich denke "ist es das Wert so viel Lebensqualität zu opfern?" ich kann mich erinnern bis vor ein paar Jahren (bis die Herde sich stärker ausbreiteten) sehr große Freude an Sex gehabt zu haben. Nach der 2. OP ging das auch kurzzeitig wieder gut bis die Hormone dazu führten, dass ich null Interesse mehr an GV hatte und habe, geschweige denn Orgasmen haben kann.

Ich finde es furchtbar, nur meinem Partner zuliebe ab und an Sex ohne echte Lust zu haben, wie ich es hier auch von anderen gelesen habe. Gleichzeitig merke ich, dass ich auch was andere Dinge angeht einfach völlig lustlos werde (eigentlich war ich immer ein sehr begeisterungsfähiger Mensch) geht es euch mit Dienogest ähnlich?

Ich will diese Wesensveränderung nicht weiter zulassen, habe aber auch wahnsinnige Angst meine Gesundheit und den gerade andauernden schmerzfreien Zustand zu riskieren...

Es fühlt sich an wie eine Entscheidung zwischen Lebensqualität und Gesundheit(inkl. Kinder bekommen und Organe behalten)

Geht es euch ähnlich? Ich fühle mich manchmal wie ein sturer Teenager, der einfach nicht einsehen will, dass diese Krankheit so großen Einfluss auf sein Leben hat​​​​...

Nun ist der Text sehr lang geworden und keine konkrete Frage enthalten. Eigentlich würde ich nur gern erfahren, wie ihr dieses Thema empfindet bzw. ob es euch ähnlich geht oder wie ihr es schafft das besser zu akzeptieren...

Liebe Grüße

Profile picture for user Isi

Isi

Veränderungen ...

Ja, das kann ich auch bestätigen. Allerdings bin ich nicht sicher, ob es nur an den Hormonen liegt. Es macht mir auch Angst, dass etwas unkontrolliert in meinem Körper wuchert... vor der Diagnose habe ich es vermieden zu Ärzten zu gehen, da ich immer das Gefühl hatte nicht ernst genommen zu werden, hauptsächlich von meiner damaligen FÄ. Mittlerweile gehe ich regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen , FA, Urologe, Endo Zentrum. Ernst nimmt man mich dort schon, allerdings macht es mir auch zu schaffen, dass ich aufgrund meiner Erkrankungen nicht zu den beliebten Patienten gehöre, obwohl ich menschlich ehr unkomplizierter bin. Das mit dem Libido Verlust kann ich bestätigen, ist für mich zum Glück nicht so schlimm. Zum Thema Lebensqualität, für mich habe ich durch das ausbleiben der starken und schmerzhaften Periode an Lebensqualität erstmal gewonnen, ich kann mich wieder frei bewegen und planen. Gehe aktuell zur Osteopathien, das hilft mir sehr, fühle mich körperlich viel besser, z.b. Kaum noch Rückenschmerzen. Ich habe gelernt mich mehr um mich zu kümmern und nicht mehr es allen recht zu machen. Hoffe ich konnte dir helfen...

Danke für deine Antwort. Was…

Danke für deine Antwort. Was meinst du mit regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen? Also in welchen Zeitabständen machst du das? Ich war seit meiner letzten OP im Juli 19 zwei mal auf eigene Initiative im Endozentrum und wurde eher behandelt als wäre das ungewöhnlich, nach dem Motto warum ich das nicht mit meiner FÄ bespreche (die sich leider mit Endo nicht auskennt) 

Ich verstehe dich vollkommen

Hallo Ma La. Ich kann deine Frustration und alle deine beschriebenen Symptome absolut nachvollziehen. Als ich früher noch die Pille genommen habe (damals wusste ich aber noch gar nichts von meiner Endo) ging es mir zu 100% genauso. Das ganze gipfelte dann schließlich in einer Panikattake, als ich zu einer Untersuchung zu meiner Gyn sollte, um ein neues Rezept für die Pille zu bekommen. Es ging nicht. Mein Mann musste in der Praxis anrufen, um den Termin für mich abzusagen.

Ich musste meine Pille also unfreiwillig absetzen. Mir war bewusst, was für Schmerzen wieder auf mich zukommen würden (da ich die Endo-Schmerzen logischerweise auch schon vor Beginn der Einnahme meiner Pille hatte), aber psychisch gab es für mich auch keine andere Option.

Im Nachhinein bin ich froh darüber. Ich habe dadurch erst gemerkt, was die Pille alles mit meiner Psyche und besonders auch mit meiner Libido gemacht hatte - das war mir vorher gar nicht bewusst!

Die Wahl zwischen Endo und hormonellen Nebenwirkungen ist schwer, wenn solche Symptome aufkommen, von daher gibt es da sicher keine richtige Antwort. Ich habe mich nun bewusst gegen jegliche Hormonpräparate entschieden (nicht nur, weil ich auch versuche schwanger zu werden). Allein wegen meines Mannes. Auch wenn er versucht hat, es zu überspielen, es war für natürlich auch echt (entschuldige die Wortwahl) schei** immer auf Sex verzichten zu müssen bzw. nur halbherzigen zu bekommen. So haben also zwei Menschen unter der Pille gelitten. Dennoch möchte ich an dieser Stelle betonen, dass das nicht dein Entscheidungskriterium sein sollte, da es dein Körper ist. Das war lediglich für mich noch ein weiteres Argument, was mich in MEINER Entscheidung gestärkt hat. Insgesamt musst du vielleicht abwägen, wie viele Tage im Monat dein Leben von den Hormonen beeinträchtigt ist (ob es nun wegen der Libido oder genereller negativer Verstimmung der Fall ist) und wie oft es von der Endo beeinträchtigt wäre. Und dann kommt natürlich noch der Faktor der Erhaltung deiner Organe... Es ist schwer, ich verstehe dich. Für mich war dieses depressive Leben aber nicht mehr lebenswert und auch wenn man ohne Hormone möglicherweise sehr große Opfer bringen muss, ist es dann doch erstmal notwendig um weiterzukommen.
Ich betone hier nochmal explizit, dass das meine ganz subjektive Erfahrung ist und du da wirklich selbst abwägen musst, da ich nicht und auch sonst keiner einschätzen kann, wie schwer das auf deiner Psyche lastet!

 

Ich hoffe, meine Erfahrung hilft dir irgendwie weiter. Alles Gute für deine Zukunft.

Hallo,

Mir geht es gleich mit dem Dienogest, ich habe mich entschieden, dass ich zuviel Angst habe es abzusetzen vorm Kinderwunsch. 
 

Allerdings habe ich Endo Grad 4 und eine Darmteilentfernung mit Stoma hinter mir. Hatte also eine sehr schlimme Situation, die durch die Endo entstanden ist. 
Mein Partner hat das alles miterlebt und hatte große Angst um mich, glaube das hilft ihm zu verstehen. 
Ich werde auch oft wehmütig wenn ich an mein Sexleben früher denke... 

Profile picture for user Isi

Isi

Veränderungen...

aktuell gehe ich alle halbes Jahr ins Endo Zentrum, die beurteilen mit und empfehlen mir dann zu verschiedenen  Fachärzten zu gehen. Es ist noch nicht ganz klar, ob es noch einmal zu einer großen Sanierung kommt ( eigentlich möchte das weder die Klinik noch ich). Meine FÄ hat auch nicht soviel Ahnung von Endo und ist glaube ich ganz froh, dass sie die Verantwortung ans Endo Zentrum abgeben kann, bei der bin ich auch nur 1x im Jahr. Zum Urologen gehe ich regelmäßig, da meine Niere gestaut ist, wurde auch schon gespiegelt und mit Harnleiterschienen versehen. Beim Gastroentrologen war ich zur Darmspiegelung, da der Darm beteiligt ist. 
Wie geschrieben, für mich sind die Hormone aktuell das kleinere Übel, aber wenn der Leidensdruck so groß ist, vielleicht mal ohne ausprobieren. LG 

Ach Libido. Ich vermisse sie…

Ach Libido. Ich vermisse sie so sehr. Eine Ärztin hat mir Gleitgel empfohlen. Mag ja helfen, aber Gleitgel hilft leider nur bei Trockenheit, nicht bei Unlust. Es macht die Unlust allenfalls weniger schmerzhaft. Sex und ich waren mal gute Freunde. Unglücklicherweise hat mich mein Mann so kennengelernt und vergleicht mich nun mit meiner früheren Version. Ist also wie bei Gimpel: es leiden zwei Menschen darunter. Leider scheue ich mich, ihre Konsequenz zu ziehen. Mein Befund war wir bei Anna ziemlich ausgeprägt, diverse Organe und Körperstellen betroffen. Am meisten Angst habe ich um meine Blase. 

Ich hadere total mit dem ganzen Stimmungsumschwung, den Dienogest gebracht hat. Als ich seinerzeit (vor der Diagnose) die Pille abgesetzt hatte, hat es sich nach ein paar Wochen ohne gefühlt, als hätte jemand meinen Kopf befreit. Ich hatte einfach eine wahnsinnig gute Stimmung, als hätte mit Pille eine dunkle Decke auf mir gelegen: du siehst die Sonne, aber sie kam nicht zu mir durch. Dienogest kommt mir vor wie die kampfwertgesteigerte Version, alles ist noch nen Tick beschissener. 

Zu meinem Sexleben kann ich nur sagen: ich mache gerade das beliebte Spiel namens „Augen zu und durch“ bzw „Appetit kommt beim Essen“. Aber das ist keine dauerhafte Lösung, das nagt an mir. 

"Ich will diese…

"Ich will diese Wesensveränderung nicht weiter zulassen, habe aber auch wahnsinnige Angst meine Gesundheit und den gerade andauernden schmerzfreien Zustand zu riskieren..."

Die Progression der Endometriose kann unter dem Einfluss einer hormonellen Medikation bestehen. Der Aspekt bezüglich der Schmerzen könnte mittels einer adäquaten Schmerzmedikation gelindert werden.

Doch offenbar muss jeder seinen individuellen Weg finden.

Ich habe unter dem Einfluss der "Pille" ebenfalls negative Resultate erfahren, meine Lebensqualität hinsichtlich psychologischer Gegebenheiten ist für mich jedoch von höherem Wert. Ich habe nach der offiziellen Diagnose "Endometriose" Hormonen gänzlich entsagt, mich zwecks der Verhütung sterilisieren lassen, mich aufgrund der Dysmenorrhoe einer Endometriumablation unterzogen, und von meinem Arzt relativ effektive Schmerzmittel eingefordert.

Meine Psyche regenerierte und befindet sich in einer Phase der Stabilisation. Die körperlichen Symptome scheinen endlich gemildert, sodass ich diese zumindest ertragen kann.

Insbesondere bei der Krankheit Endometriose sollte stets bedacht werden, dass Hormone lediglich die Symptomatik unterminieren, und diese Therapie nicht die einzige Maßnahme darstellt. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass mir eine unkonventionelle Betrachtungsweise letztendlich mehr half.

 

Ich danke euch von Herzen…

Ich danke euch von Herzen dafür, dass ihr eure Erfahrungen und Gedanken mit mir teilt.

Die letzten Tage habe ich viel in diesem Forum gelesen und meist ging es dabei um verschiedene Medikamente. Nun zu sehen, dass ich mit meinen Gedanken gegen das alles nicht allein bin tut wahnsinnig gut. Ich lasse das nun alles erstmal gähren. Habe zurzeit noch zu viel Angst mir den Kinderwunsch, der nicht mehr allzu weit entfernt ist durch unüberlegtes Handeln selbst zu verbauen...

Es tut auf jeden Fall ungeahnt gut sich mit Menschen auszutauschen, denen es ähnlich ergeht❤️