Thema
Diagnostik
Frage

Hallo,

ich bin 26 Jahre und wurde dieses Jahr bereits 2 Mal wegen Endometriose operiert. Bei der ersten OP wurde Endometriose an der Blase, im Douglas-Raum und an beiden Ligamentum Sacrouterinum entfernt. Da nach dieser OP viele der Beschwerden bestehen blieben (u.a. zyklisch wiederkehrende Blutung aus dem Darm gegen Ende/kurz nach der Periode in Verbindung mit starken Blähungen und Darmkrämpfen sowie Schmerzen im rechten Unterbauch), wurde Mitte des Jahres erneut operiert. Dort wurde Endometriose am linken Eierstock und am rechten Ligamentum Sacrouterinum entfernt sowie Verwachsungen am Darm. Auch dadurch hat sich keine Besserung eingestellt in Bezug auf die periodischen Darmblutungen und Krämpfe, wohingegen andere schmerzhafte Beschwerden deutlich gelindert werden konnten.

Zwischen den beiden OPs wurde eine Darmspiegelung sowie ein CT (ohne Kontrastmittel) und 2 MRTs (mit und ohne Kontrastmittel) durchgeführt.
Die Darmspiegelung war unauffällig in Bezug auf chronische Darmerkrankungen. Allerdings waren Anzeichen für einen abgelaufenen entzündlichen Prozess sichtbar.

Bei den beiden MRTs (und dem CT) konnte bis auf eine Zyste am rechten Eierstock (sowie dem jetzt entfernten Endometriose-Herd am linken Eierstock) nichts Auffälliges gefunden werden.

Immer wieder ist auch im Ultraschall eine Zyste am rechten Eierstock zu sehen.
Zudem wurde nach den beiden OPs eine Stuhluntersuchung durchgeführt, um bakterielle und parasitäre Prozesse auszuschließen. Dabei ließ sich lediglich ein leicht erhöhter Calprotectin-Wert feststellen.

Gibt es eine Untersuchung, die ich durchführen lassen könnte, um die Ursache der Beschwerden feststellen zu können? Auch für eine Idee bezüglich einer möglichen „Ermittlungsrichtung“ wäre ich mehr als dankbar.

Vielen Dank

Antwort

Sehr geehrte Patientin,

grundsätzlich ist festzustellen, dass ich ohne Kenntnis der Untersuchungsbefunde, der Ultraschallbefunde, der MRT- und CT-Befunde sowie der Operationsberichte und vor allem der feingeweblichen Untersuchung für Sie individuell keinen Rat geben kann. Es gibt unterschiedliche Endometrioseformen und die Situation ist bei jeder Frau anders.

Insbesondere besteht bei Ihnen wegen der persistierenden Beschwerden und der Darmblutungen der Verdacht, dass eine Darmendometriose vorliegt, die sich der bisherigen Diagnostik entzogen hat. Trotz der Darmblutungen ist eine Darmspiegelung üblicher Weise unauffällig, da es sich um „Diapedeseblutungen“ (dafür gibt es kein deutsches Wort – am ehesten „Durchwanderungsblutung) handelt und Endometriose „von außen“ die Darmwand befällt und nur sehr selten durchwächst. Auch das CT kann falsch negativ sein, allerdings kann man bei entsprechender Technik, sehr gutem Gerät und in der Endometriosebeurteilung erfahrenem Untersucher die meisten Herde im MRT sehen. Ähnlich aussagekräftig in den Händen von erfahrenen Untersuchern ist der Ultraschall von der Scheide oder vom Darm her.

Besprechen Sie dies noch einmal mit Ihrem Frauenarzt / Frauenärztin und lassen sich eventuell zur Zweitmeinung in ein zertifiziertes Endometriosezentrum überweisen (Adressen unter www.endometriose-sef.de / Patientinneninformationen / Endometriosezentren) überweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Schweppe