Thema
Unterbauchschmerz
Frage

Guten Tag,

ich würde gerne wissen, was meine Optionen zu meinem Fall sind:

Seit 1,5 Jahren treten von einem Monat zum anderen ausschließlich während der Periode oder bis zu 1 Tag danach heftigste Schmerzen in der Leiste auf. Die Art der Schmerzen sind vollkommen anders als die üblichen Regelschmerzen. Diese Schmerzen sind am ehesten mit Nervenschmerzen zu vergleichen, sowie an einem heftig entzündeten Zahnwurzel. Die üblichen sonst gut bei mir wirksamen Schmerztabletten wirken gegen genau die Leistenschmerzen schwach bis gar nicht (Ibu 400 mg, auch keine 800 mg Ibu schwach bis keine Wirkung, nach Einnahme von Novalgin beginnt die Schmerzen nach 2h langsam vorübergehend schwächer zu werden). Die Schmerzen sind mit einer Sirene vergleichbar und lassen sich im Gegensatz zu den “normalen” Regelschmerzen durch überhaupt gar nichts lindern (Wärme, Kälte, Krümmen, Hinlegen, Gehen, …). Die Tabletten helfen aber dagegen wie üblich gut gegen die “normalen” Regelschmerzen im Unterbauch

Verlauf:

  • Ultraschalle bei 4 ambulanten und 2 klinischen Gynäkologen in 2018 und 2019 haben nichts Auffälliges ergeben.
  • 1996 hatte ich eine endoskopische Entfernung von Verwachsungen von der Endometriose im Bauchraum, die aufgrund des Umfangs zu einem Bauchschnitt ausgeweitet werden musste.
  • Anschließend habe ich durchgehend ein Kombipräparat als Pille genommen (Valette). Pille im Oktober 2014 wegen Kinderwunsches abgesetzt.
  • Urplötzlicher Beginn der Leistenschmerzen während der Periode und in schwacher Form bei Eisprung im Februar 2018, zusätzlich zu den “normalen” Regelschmerzen im Unterbauch.
  • Leistenbruch wurde vom Chirurgen ausgeschlossen.
  • Januar 2019 Besuch eines zertifizierten Endometriosezentrums mit Verschreiben von Jubrele als Hormontherapie. Die Hormontherapie mit dem Präparat Jubrele von Januar 2019 hat bewirkt, dass meine sonst äußerst regelmäßige Periode schon nach 3 Wochen begann und durchgehend über 3 Wochen anhielt inklusive der furchtbaren Leistenschmerzen.
  • MRT hat nichts Auffälliges ergeben.
  • Röntgen-Untersuchung der unteren Leistengegend durch Orthopäden hat nichts Auffälliges ergeben.
  • Nach Notfallbesuch bei einem Gynäkologen im März 2019 aufgrund der anhaltenden Periode mit Leistenschmerzen hat der mir Maxim verschrieben zur durchgängigen Einnahme, um die Periode vollständig zu unterdrücken. Nach 3 Wochen war der Zyklus wieder hergestellt und die Unterbauch-Schmerzen und parallel die Leistenschmerzen flauten im Laufe der Wochen langsam ab. Empfehlung des Gynäkologen zur Abklärung durch Laparoskopie.
  • Mai 2019 Laparoskopie. Keine Auffälligkeiten. Auf meine Anfrage, was die Untersuchung der Leiste ergeben hätte, hieß es, da könne man nicht reinschauen. Keine weiteren Empfehlungen von Seiten des klinischen Gynäkologen, was ich tun könnte.
  • Nach Überweisung durch die Klinik Vorstellung beim Gynäkologen, der mir notfallmäßig die Östrogen/Dienogest-Pille verschrieben hatte. Er wollte mir statt dessen nun Visanne verschreiben, eine reine Dienogest-Pille. Dies sei die einzig gegen Endometriose zugelassene Pille und er würde mir kein Östrogen haltiges Präparat empfehlen wegen Thrombose-Gefahr wegen meines Alters. Er konnte mir überhaupt gar keine Auskunft darüber geben, inwiefern sie die Periode zuverlässig 100%ig unterdrückt. Das war für mich nach der Erfahrung mit Jubrele keine Option. Denn: Periode = furchtbare Leistenschmerzen, die vor allem immer schlimmer und persistenter wurden über die Monate. Die Schmerztabletten und Schmerzen hatten begonnen depressive Verstimmungen und mentale und kognitive Einschränkungen zu verursachen. Von insgesamt 14 Ärzten (12 Gynäkologen (ambulante, klinische, von der KV, 1 Orthopäde und 1 Radiologe) nahmen lediglich die beiden letztgenannten das Thema Schmerzen und die Lage und Art der Schmerzen überhaupt ernst. Die Gynäkologen verwiesen mich unisono zu Schmerztherapeuten.
  • Stand heute: die Pille Maxim unterdrückt zuverlässig die Periode. Nach der OP im Mai 2019 hatte ich nach 2 Wochen für ca. 3-4 Wochen ständig unregelmäßig ganz leichte Unterbauchschmerzen wie kurz vor der Periode, begleitet durch deutliche Leistenschmerzen, allerdings nicht mehr ganz mit der Heftigkeit. Alle Schmerzen verschwanden langsam. Bis vor Kurzem gab es einmal monatliche, aber unregelmäßig zu ganz leichte Unterbauchschmerzen wie kurz vor Beginn der Periode, ohne dass es zur Blutung kam. Begleitet von deutlichen, aber nicht heftigen Leistenschmerzen.

Frage 1:

Ich nehme zurzeit die Maxim weiter, die der besagte Gynäkologe auf meine expliziten Wunsch hin mir verschreibt. Ich habe im Sommer 2019 gelesen, dass seit 12/2018 die erhöhte Thrombose-Gefahr durch Dienogest haltige Kombipräparate wissenschaftlich bewiesen ist. Dies steht im Gegensatz zur Aussage des Gynäkologen, dass er mir wegen der durch die Östrogene verursachte Thrombosegefahr kein östrogenhaltiges Kombipräparat verschreiben wollte, sondern ein reines Dienogest-Präparat. Nun scheint aber Dienogest selbst die Ursache für die erhöhte Gefahr zu sein?

Ist die Einnahme von Kombipräparaten mit Gestagenen der älteren Generation wie Levonorgestrel eine Alternative? Ich bin 44, nicht übergewichtig und war immer und bin Nichtraucherin. Trotzdem mache ich mir Sorgen um das Thema Thrombose. Präparate mit Levonorgestrel sollen ein deutlich niedrigeres Thrombose-Risiko bergen.

Frage 2: Ist es tatsächlich so, dass man sozusagen nicht in die Leiste reinschauen und ggf. die Endometriose-Herde entfernen kann? Alle Gynäkologen haben mir signalisiert, dass es Endometriose in der Leiste praktisch nicht gibt. Nur: die ausschließlich zur Periode aufgetretenen immer heftiger werdenden Leistenschmerzen habe ich mir nicht eingebildet.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und mit freundlichen Grüßen

Antwort

Antwort auf Frage 1

Das Thromboserisiko unter dienogesthaltigen Kombipräparaten ist etwas höher als unter Levonorgestrelpräparaten, aber günstiger als unter allen anderen Kombinationspräparaten. Dies betrifft aber ausschließlich Kombipräparate in der Kombination mit Ethinylestradiol. Dienogest alleine (Visanne) ist eine Gestagenmonotherapie. Gestagenmonotherapien haben kein erhöhtes Risiko und werden sogar bevorzugt bei Patientinnen, die Risikofaktoren für Thrombosen haben (in der Eigen- oder Familienanamnese) bevorzugt. Insofern hat der Gynäkologe recht, dass Visanne einer Kombinationspille vorzuziehen ist.

Bei den Gestagenen als Monopräparate, gibt es keine relevanten Unterschiede. Allerdings ist natürlich ein Problem der Gestagenpräparate, dass es ein anderes Nebenwirkungsprofil gibt, wie z.B. depressive Verstimmung. Im Vergleich zu Jubrele ist Dienogest aber effektiver, was den Effekt auf die Schmerzen und auch auf die Blutungen betrifft. Bezüglich der Effektivität auf die Endometriose ist Dienogest am wirksamsten. Danach kommen dienogesthaltige Kombipräparate und dann alle anderen Pillen. Das erhöhte Thromboserisiko besteht auch meist nur am Anfang der Pillenanwendung. Wenn Sie die Kombinationspille mit Dienogest schon länger einnehmen, besteht eigentlich kein Grund zum Wechseln, wenn die Effektivität gegeben ist.

Antwort auf Frage 2

In die Leiste so reinschauen, ist nicht ganz so einfach. Allerdings gibt es durchaus Endometriose in der Leiste. Gelegentlich werden von Endometriose befallene Leistenlymphknoten gesehen und entfernt. Da Sie aber schon eine MRT und eine Laparoskopie hatten und hier nichts gefunden wurde, ist dies etwas verwunderlich. Gegebenenfalls muss man diese Untersuchung noch einmal während der Regelblutung wiederholen, da sich dann meistens die Endometrioseherde dort besser auffinden lassen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen aus Köln

Prof. Dr. med. Th. Römer