Thema
Schmerztherapie
Frage

Ich (43) habe tiefinfiltrierte Endometriose. Mit Befall an den Ligamentum Uteris (wurden entfernt), Harnleiter, Enddarm sowie ständig wiederkehrende Endometriosezysten an den Eierstöcken. Erstdiagnose mit 19 bei einer Bauchspiegelung. Wurde mit 35 das 2. Mal operiert und mit 41 entschloss ich mich zur Hysterektomie (beide Eierstöcke sind noch erhalten). Starke Schmerzen habe ich seit meiner 1. Regelblutung mit 15. Nach jeder OP geht es mir 1-2 Jahre relativ gut. Jetzt ist es wieder soweit, die Schmerzen werden wieder häufiger und auch stärker (nehme Enantyum 25mg und Paracetamol 1g, früher auch Tramadol, Metamizol vertrag ich nicht). Hormonbehandlungen habe ich viele hinter mir… ohne Erfolg (zwischendurch auch künstliche Befruchtungen aber auch ohne Erfolg). Ich weiss, dass ich mehr oder weniger mit den Schmerzen klar kommen muss, bei der nächsten Operation sollen die Eierstöcke mit entfernt werden (man riet mir schon bei der letzten OP dazu, wollte ich aber noch nicht mit 41) die ich und mein behandelnder Arzt nach Möglichkeit so lange wie möglich hinauszögern möchten.

Nun zu meiner eigentlichen Frage: wie kann ich wissen, ob Rückenschmerzen von der Endometriose kommen oder die Ursache nur Verspannungen und oder orthopädische Beschwerden sind? Die Rückenschmerzen sind immer anders, mal bis in die Füsse, mal nur im Kreuzbein, fast immer begleitet mit Unterleibsschmerzen aber in letzter Zeit fast täglich. Letzte Woche beim Gynäkologen habe ich davon erzählt, er bestägtige mir, dass die von der Endometriose kommen könnten. Aber wie bekomme ich Gewissheit? Wie lange und häufig kann ich dafür Schmerzmittel nehmen? Gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten? Ich bin habe “Normalgewicht” (BMI 23) und körperlich aktiv (gehe wandern, jeden Tag 2mal mit dem Hund toben und spazieren, Fahrrad fahren und seit einiger Zeit auch 2mal wöchentlich joggen)

Antwort

Sehr geehrte Patientin,

grundsätzlich ist festzustellen, dass ich ohne Kenntnis der Untersuchungsbefunde, der Ultraschallbefunde, der Operationsberichte und vor allem der feingeweblichen Untersuchung für Sie individuell keinen Rat geben kann. Es gibt unterschiedliche Endometrioseformen und die Situation ist bei jeder Frau anders. Insbesondere ist die Differentialdiagnose „Rückenschmerzen“ ohne Untersuchung und Untersuchungsbefunde nicht zu kommentieren.

Auf Grund Ihrer geschilderten Anamnese mit dem langwierigen und schweren Endometrioseverlauf, kann die Endometriose und die dadurch bedingte Fibrose und Begleitenzündung sehr gut Ursache für Rückenschmerzen und auch Muskelverspannungen im Beckenboden und Rücken sein. Garantieren kann man das nicht; zumal wenn auch orthopädische Befunde im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens vorliegen, die solche Beschwerden erklären können. Ein fundierterer Rat kann Ihnen gegeben werden, wenn Sie dies noch einmal mit Ihrem Frauenarzt / Frauenärztin besprechen und sich eventuell zur Zweitmeinung in ein zertifiziertes Endometriosezentrum überweisen lassen (Adressen unter www.endometriose-sef.de / Patientinneninformationen / Endometriosezentren).

Die Einnahme von Schmerzmitteln kann unter Kontrolle eines Shcmerztherapeuten über viele Jahre erfolgreich durchgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Schweppe

(Vorstand der Stiftung Endometriose-Forschung)